- Warum es Sinn macht, Vereinsmitglieder zu beteiligen
- Praxis: Umsetzen von Mitspracherecht
- Fazit: Beteiligung der Mitglieder fördert den Erfolg des Vereins
Warum es Sinn macht, Vereinsmitglieder zu beteiligen
In Vereinen stehen regelmässig wichtige Entscheidungen an, die gut vorbereitet und breit abgestützt sein müssen. Für einen Vorstand ist es wichtig, dass gewisse Entscheide vom Gesamtverein getroffen werden. Auf der anderen Seite ist Mitspracherecht ein wichtiges Recht, das Vereinsmitglieder haben. Es gibt viele gute Gründe, warum es wichtig ist, dieses Mitspracherecht auch tatsächlich umzusetzen. In diesem Beitrag werden wir uns ansehen, wie man die Beteiligung der Mitglieder fördert und sie optimal einbinden kann.
Warum Mitspracherecht wichtig ist
Mitspracherecht stärkt nicht nur die Identifikation der Vereinsmitglieder mit dem Verein, sondern ermöglicht auch, dass Erfahrungen und Ideen aus der Basis in die Entscheidungsprozesse einfliessen. Eine aktive Beteiligung der Mitglieder bei der Umsetzung von Entscheidungen führt zu einem besseren Verständnis für die Entscheidungen und erhöht die Akzeptanz. Wenn ihr eure Vereinsmitglieder ermutigt, sich zu beteiligen und einzubringen, könnt ihr sie besser für die Umsetzung der Entscheidungen gewinnen. Nicht nur die Umsetzung der Entscheidungen wird dadurch einfacher, sondern es wird auch ein starkes Gefühl der Zusammengehörigkeit und Gemeinschaft unter den Mitgliedern geschaffen. So könnt ihr sicherstellen, dass alle Mitglieder gleichermassen an der Erreichung der gemeinsamen Ziele beteiligt sind und zu einem erfolgreichen Verein beitragen.
Wie man Vereinsmitglieder beteiligen kann
Es ist wichtig, dass ihr eure Mitglieder ernst nehmt und ihnen eine Plattform für Austausch und Meinungsäusserung bietet. Dies könnt ihr zum Beispiel durch regelmässige Abstimmungen oder Umfragen erreichen. Welche Arten von Abstimmungen es gibt, findest du weiter unten im Artikel. Ebenso solltet ihr euren Mitgliedern auch die Möglichkeit geben, an Veranstaltungen, Projekten oder Workshops teilzunehmen. So können sie sich aktiv an der Vereinsarbeit beteiligen und Ideen einbringen.
Vor wichtigen Entscheiden könnt ihr euch im Verein zu einem lockeren Austausch treffen, eine Art Stammtisch. Hier können interne Themen bereits informell vorbesprochen werden und ihr erhaltet einen Einblick, wie eure Vereinsmitglieder denken und welche Fragen ihnen auf dem Herzen liegen könnten. Das bietet dem Vorstand eine Möglichkeit, um auf besonders wichtige Anliegen vorbereitet zu sein. Auf der anderen Seite trauen sich die Mitglieder in einer lockeren Runde eher Fragen zu stellen als dann an der Vereinsversammlung vor der ganzen Gruppe.
Wichtig ist auf jeden Fall: Gestaltet den Prozess der Mitgliederbeteiligung so transparent wie möglich und informiert eure Mitglieder stets über aktuelle Entwicklungen. So können sie sich besser in die Entscheidungsprozesse einbringen und wissen, welche Dinge gerade anstehen.
Wenn ihr im Verein gemeinsam entscheidet, bekommt ihr nicht nur ein positiveres Feedback, sondern schafft gleichzeitig Vertrauen und Identifikation mit eurem Verein.
Praxis: Umsetzen von Mitspracherecht
Ein Beispiel: ihr wollt neue Vereinskleidung anschaffen. Der Vorstand macht die Vorarbeit, erarbeitet also ein Budget, holt allenfalls Spenden rein und recherchiert Vorschläge. Dem Gesamtverein werden anschliessend 3 Vorschläge präsentiert, die natürlich allesamt in die vom Vorstand gegebenen Rahmenbedingungen passen, also alle gleichermassen wählbar und umsetzbar sind. Die Vereinsversammlung wählt nun, welches Design umgesetzt werden soll und die neue Vereinskleidung wird. Nun stellt euch mal vor, wie viel höher die Freude über die neue Kleidung ist, wenn man selber mitentscheiden durfte. Es gibt dabei verschiedene Möglichkeiten, wie ihr zu einem Entscheid kommt, die stelle ich euch weiter unten vor.
Wie im Beispiel bereits erwähnt, ist die Vorbereitung für einen solchen Entscheid von Bedeutung. Die wesentlichen Arbeiten bleiben dabei immer gleich:
- Klären, in welcher Gruppe / von welchem Organ der Entscheid getroffen werden muss (Vorstand, Ressort, Arbeitsgruppe, Vereinsversammlung)
- Informationen sammeln, Recherche betreiben
- Möglichst mehrere Lösungsansätze erarbeiten und auch mal unübliche Vorschläge durchdenken
- Diskussionen in der Gruppe fördern (Vorstand, Arbeitsgruppen, Vereinsversammlung, etc.)
- Pro- und Contra-Argumente allenfalls visualisieren (Flipchart, Packpapier, Protokoll, usw.)
- Wenn nötig Stakeholder einbinden (Mitglieder, Gemeinde, Geldgeber, Unterstützende)
Wenn dann die Vorbereitungen soweit abgeschlossen sind, um einen Entscheid zu treffen, habt ihr verschiedene Möglichkeiten, wie ihr zum Ziel kommt. Es gibt grundsätzlich 3 Arten von Entscheidungen:

Beim Mehrheitsprinzip fragt man das «Dafür», «Dagegen» und «Stimmenthaltungen» ab. Der Vorschlag mit den meisten Stimmen ist gewählt. Grundsätzlich gibt es verschiedene Möglichkeiten des Mehrs bei Mehrheitsentscheiden: Das einfache Mehr ist dann erreicht, wenn ein Vorschlag mehr Ja-Stimmen erhält als Nein-Stimmen. Das absolute Mehr ist dann erreicht, wenn ein Vorschlag mehr Ja-Stimmen erhält als die Hälfte der gültigen Stimmen (d.h. Stimmenthaltungen und Nein-Stimmen zählen ebenfalls). Das qualifizierte Mehr – eher für gewichtige Entscheide – verlangt mehr Zustimmung als nur die Mehrheit, z. B. zwei Drittel oder drei Viertel der gültigen Stimmen.

Entscheidungen im Konsens verlangen oft keine ausdrückliche Zustimmung, vertragen sich aber auch nicht mit offener Ablehnung. Alle Gruppenmitglieder müssen einverstanden sein, oder bereit sein, ihre abweichende Meinung bzw. ihre Bedenken gegen die zu treffende Entscheidung aufzugeben oder zurückzustellen. Sie tragen dann die Entscheidung trotz ihrer Bedenken mit. Der Vorteil des Konsensprinzips besteht darin, dass die Stimme jedes Einzelnen großes Gewicht hat und gehört werden muss. Das Konsensprinzip setzt eine hohe Verantwortlichkeit in der Gruppe voraus, weil sich jeder Abstimmende darüber bewusst sein muss, dass sein „Nein“ den Prozess blockiert. Er muss für sich abwägen, ob seine Gründe so wichtig sind, den Prozess zu stoppen, oder ob er seine Bedenken zurückstellt und die Entscheidung mittragen will.

Beim Konsentprinzip kann eine Entscheidung nur getroffen werden, wenn niemand der Anwesenden einen schwerwiegenden und begründeten Einwand im Sinne der gemeinsamen Ziele hat. Dabei wird nicht gefragt, ob jeder zustimmt, sondern ob jemand dagegen ist (was eine psychische Hürde erzeugt). Es müssen sich nicht alle Teilnehmer einig sein, aber ihr Einverständnis zu einer Lösung geben, die entsprechend den Umständen geeignet ist. Die Entscheidungen bekommen eine hohe Akzeptanz und werden auch von der Gruppe mitgetragen.
Welche Vorteile ergeben sich durch die Umsetzung von Mitspracherecht?
Du siehst also, dass die Umsetzung von Mitspracherecht viele Vorteile mit sich bringt. Durch die Beteiligung der Vereinsmitglieder erhaltet ihr nicht nur mehr Rückhalt für eure Entscheidungen, sondern auch mehr Kreativität und Energie. Die Mitglieder können euch wertvolle Anregungen und Ideen liefern sowie konstruktive Kritik, die euch helfen, innovative Ideen umzusetzen und eure Ziele zu erreichen. Ausserdem erhöht ihr mit der Beteiligung der Mitglieder die Motivation und das Engagement im Verein, was sich positiv auf das Vereinsleben auswirken kann. Es lohnt sich, die Mitglieder zu beteiligen und ihre Meinung wertzuschätzen, denn so könnt ihr euren Verein stärken.
Störfaktoren für erfolgreiche Entscheide
Das Verständnis für Strategien, Prozesse und schwierige Entscheidungen ist bei den Meisten oft niedrig. Das erschwert die Meinungsbildung. Ihr müsst die Infos also so aufbereiten, dass sie bei allen Mitgliedern ankommen und verstanden werden.
Ebenso spielt hier auch rein, wie ihr die Werte eures Vereins lebt. Sind da alle Mitglieder auf demselben Stand, seid ihr euch schlimmstenfalls nicht einig, was eure Werte sind? Auch das kann ein Störfaktor bei gemeinsamen Entscheiden sein.
Weiter sollte der Vorstand auch glaubwürdig sein. Seid euch bewusst, dass der Vorstand vom Verein gewählt wurde und eine Entscheidungsfreiheit hat. Wenn dieser plötzlich vom Verein einen, sagen wir sehr banalen, Entscheid verlangt, dann seid ihr wenig glaubwürdig, denn das hättet ihr ja schon vorher selbst entscheiden können.
Fazit: Beteiligung der Mitglieder fördert den Erfolg des Vereins
Es ist wichtig, dass sich die Mitglieder des Vereins aktiv an den Entscheidungen des Vereins beteiligen. Eine erhöhte Umsetzung des Mitspracherechts führt zu einer grösseren Zufriedenheit der Mitglieder, was wiederum positive Auswirkungen auf den Erfolg des Vereins hat. Ein Verein, der seine Mitglieder beteiligt, kann auf ein breiteres Spektrum an Erfahrungen und Ideen zurückgreifen, was einen wertvollen Mehrwert für den Verein schafft. Deshalb lohnt es sich, die Mitglieder in die Entscheidungsfindung und Umsetzung von Projekten und Aktivitäten einzubeziehen.
Quellen:
https://www.vitaminb.ch/uploads/media/default/2287/Gemeinsam%20entscheiden_2021.pdf

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